Rückblick 2015

5. Jahrestagung Innovationsforum Energie
19. und 20. März 2015 | Zürich, Schweiz

Programm als PDF

Smart Technologies | Energieservices | Marktdesign | Wertschöpfung

Die 5. Durchführung des Innovationsforum Energie war ein voller Erfolg. Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Teilnehmenden und Referenten für ihre Teilnahme und ihr Vertrauen bedanken. Die Nachlese dieses Jahres gibt Anlass zur Rückschau: Was hat sich bezüglich der Inhalte in den Referaten geändert, welche Innovationen wurden umgesetzt oder eben auch nicht?

Grundsätzlich fällt auf, dass das Schlagwort "Smart" fast nicht mehr benutzt wird. Dies bedeutet nicht, dass sich die smarten Lösungen, der Smart Meter oder das Smart Grid als Luftschlösser entpuppt hätten und nicht mehr weiterverfolgt werden. Das Gegenteil ist der Fall: Es sind zunehmend konzeptionelle und technische Lösungen auf dem Markt und es werden zunehmend konkrete Lösungen umgesetzt. Die Schlagworte, mit denen vor einigen Jahren neue Lösungen und Trends angekündigt wurden, sind obsolet geworden. Konkret zeigte sich das im Referat von Dr. Matthias Bölke, CEO der Schneider Electric Schweiz AG. Das Unternehmen bietet zunehmend intelligente Technik im Netzsektor sowie Systemlösungen - also die Verknüpfung von Technik und Engineering - an. Was dies konkret bedeutet, zeigte das Referat von Christian Erb, Halter Immobilien, exemplarisch in Bezug auf die Konvergenz der Energieträger bei der Energieversorgung von Immobilien auf. Das Engineering von Energielösungen wird zunehmend komplexer und erfordert ein hoch spezialisiertes und fundiertes Know-how. Einfache Standardlösungen werden sich zukünftig in der Versorgung mit leitungsgebundenen Energieträgern immer weniger einsetzen lassen.

Parallel hierzu ist der Erzeugungs- und Handelsmarkt im Umbruch; die Gründe sind bekannt. Die grosse Herausforderung ist zukünftig, ein Marktdesign zu entwickeln, welches systemrelevante konventionelle Kraftwerke am Netz hält, indem deren Wirtschaftlichkeit sichergestellt wird. Versorgungssicherheit kann hier nicht mehr nur national gedacht werden. Swissgrid wird zunehmend in den europäischen Energiebinnenmarkt eingebunden, Regelenergie wird über die nationalen Grenzen hinweg bereitgestellt. Mit der Einführung des Market Coupling werden hierbei Marktverzerrungen an der Nordgrenze der Schweiz zum Teil abgebaut. In der Folge ist mit sinkenden Grosshandelspreisen in der Schweiz zu rechnen. Dies bedeutet natürlich wiederum einen Margenverlust der Schweizer Produzenten.

Die EVU suchen in dieser Phase des Umbruchs nach neuen Geschäftsfeldern, weshalb Innovationsprozesse in den Unternehmen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Waren diese Aktivitäten bisher oft als "Stochern im Nebel" wahrzunehmen, so zeichnen sich jetzt zunehmend Lösungen ab: Die EVU werden zukünftig ihre Wertschöpfungskette verlängern, indem sie Leistungen im Gebäude der Endverbraucher anbieten. Dies bedeutet, Wachstum im Engineering und in der Ausführung sowie im Gebäudemanagement. Das EVU wird damit längerfristig zunehmend zum Systemlieferant im Gebäudebereich und zum Facility Manager. Für die Unternehmen bedeutet dies jedoch einen starken Bruch mit der angestammten Tätigkeit als Infrastrukturbetreiber (Kraftwerke und Verteilung). Der Change in den Unternehmen dürfte hierbei nicht friktionsfrei geschehen.

Das am zweiten Tag des Innovationsforum Energie parallel abgehaltene Forum für kleine und mittelgrosse Versorger hat verschiedene Innovationsquellen für die Energiebranche beleuchtet:

• Die technologische Entwicklung, insbesondere die Optimierung eines zunehmend dezentralen Energiesystems
• Die gesellschaftliche Entwicklung, die in Verbindung mit den neuen Medien das Kommunikationsverhalten zwischen EVU und Kunden verändern wird und die Sensibilität der Gesellschaft gegenüber dem Thema Energie erhöht.
• Die EVU selbst, die dem aus Wettbewerb und Regulierung gewachsenen Kosten- und Margendruck mit der Optimierung der Kernprozesse und neuen Geschäftsfeldern begegnen.

An eindrucksvollen Praxisbeispielen wurde aufgezeigt, dass Innovation nicht den grossen Akteuren und deren Finanzkraft vorbehalten ist, sondern dass Innovation insbesondere auch eine Frage der Kultur und der Akzeptanz des Wandels ist. Innovation bedeutet für kleine und mittelgrosse Versorger nicht, dass sie ihr traditionelles Kerngeschäft aufgeben oder radikal umbauen müssen. Im Gegenteil; über lange Zeit wird im Wesentlichen der heutige Versorgungsauftrag weiter die Rolle der EVU bestimmen. Neue Geschäftsmodelle rund um die Energiewende werden sich in den nächsten Jahren entwickeln. Es ist aber nicht die Rolle der Kleinen und Mittleren, diese zu besetzen. Finanzkräftige, an sich rasch ändernde Technologie- und Marktgesetze gewohnte Unternehmen werden sich den Grossteil der zusätzlichen Wertschöpfung teilen.

Lokale EVU verfügen über eine gute Ausgangslage gegenüber der kommenden Marktöffnung: Kundennähe, schlanke Strukturen und Kosteneffizienz sind ihre Stärken. Ein überstürzter Einstieg in neue, von heutigen Kernkompetenzen zu weit entfernten, Geschäftsfelder, könnte diese gute Ausgangslage gefährden.

Ein radikaler Traditionsbruch sollte vermieden werden. Es gilt eine überlegte und schlaue Anpassung und Einbindung neuer Entwicklungen in das heutige Kerngeschäft zu vollziehen. Wenn die Pioniere aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts weiterhin mit der Zeit gehen und sich intelligent gesellschaftlichen und technologischen Änderungen anpassen, dann werden sie auch weiterhin das Vertrauen Ihrer Besitzer und Kunden bekommen.

Die Moderation von Dr. Bernd Kiefer, Fichtner Management Consulting AG Schweiz und Daniel Ramsauer, BET Dynamo Suisse SA hat den hochkarätigen Beiträgen und Diskussionsrunden einen optimalen Rahmen gegeben. Nicht zuletzt die produktiven Diskussionen, das ausgezeichnete Networking sowie die sehr gute Stimmung aller Teilnehmenden und Referenten rundeten den Erfolg der Tagung ab.

Am 10. und 11. März 2016 wird der Anlass zum sechsten Mal stattfinden. Die Agenda für das Innovationsforum Energie 2016 wird Ende Herbst 2015 veröffentlicht.

Fokusthemen der 5. Jahrestagung waren:

  • Gebäudeeffizienz und Bedeutung für die Strombranche
  • Eigenverbrauchsregelung – Praktische Umsetzung im EVU
  • Geschäftsmodelle mit Energiespeichern
  • Flexibilität – Ein neues Element im Strommarkt
  • Künftiges Marktdesign und Versorgungssicherheit
  • Kundenakquisition durch online Plattformen – Konkret!
  • Effizienz in Betrieb und Instandhaltung
  • Reorganisation aufgrund der ändernden Rahmenbedingungen

Folgende Referenten haben auf der 4. Jahrestagung mitgewirkt:

  • Dr. Bernd Kiefer, VR-Delegierter und Partner, Fichtner Management Consulting AG Schweiz
  • Dr. Matthias Bölke, CEO, Schneider Electric Schweiz AG
  • Matthias Möller, Leiter Sektion Energiewirtschaft, Kanton Zürich
  • Christian Erb, Berater für Energie und Gebäudetechnik, Halter Immobilien, Zürich
  • Daniel Clauss, Leitung Bereich Vertrieb, Mitglied der Geschäftsleitung, Elektrizitätswerk des Kantons Schaffhausen AG
  • Dr. Harald Schäffler, Geschäftsleiter, schaeffler consult
  • Frédéric Gastaldo, CEO, Swisscom Energy Solutions AG
  • Dr. Jörg Spicker, Leiter Market Operations, Swissgrid AG
  • Dr. Othmar Schuler, Leiter Middle Office Trading, BKW Energie AG
  • Dr. Beat Deuber, Senior Consultant, Fichtner Management Consulting AG Schweiz
  • Dr. Michael Ritzau, Geschäftsführer, BET Aachen GmbH
  • Peter Kieffer, Präsident, Verein Smart Grid Industrie Schweiz (Swissmig)
  • Markus Sägesser, Direktor, Stadtwerk Winterthur
  • Jan Lengerke, Chief Product Officer, Verivox GmbH
  • Katharina Hürlemann, Technische Beratung & Innovationsmanagement, KoinaSoft GmbH
  • Dr. Stéphanie Engels, Leiterin Unternehmensentwicklung, ewz
  • Stephan Moser, Department Head, Supercomputing Systems AG
  • Martin Meiler, Partner, Aravis SA
  • Urs Balzli, CFO, Mitglied der Geschäftsleitung, Energie Wasser Bern
  • Daniel Ramsauer, Geschäftsführer, BET Dynamo Suisse SA
  • Dr. Christof Bucher, Projektleiter Photovoltaik und Netze, Basler und Hofmann AG
  • Werner Jauch, Leiter Energie, Mitglied der Geschäftsleitung, Elektrizitätswerk Altdorf AG
  • Salah Boukhaoua, Technischer Projektleiter und Sales Consultant, SWiBi AG
  • Michel Hirtzlin, Geschäftsleiter, Services industriels Delémont
  • Joe Imfeld, Business Development CI-SG, Landis+Gyr (Europe) AG