Innovationsforum Energie

Das unabhängige Schweizer Forum für Marktakteure und Entscheidungsträger aus dem Energiesektor

8. Jahrestagung Innovationsforum Energie
15. und 16. März 2018
Zürich Marriott Hotel

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Die Inhalte des Innovationsforum Energie 2017 in einem Bild

Rückblick auf das Innovationsforum Energie 2017

Das Innovationsforum Energie fand dieses Jahr bereits zum siebten Mal statt, und es hat mit rund 180 Teilnehmern seinen festen Platz in der Branche weiter ausgebaut. Schauen wir auf die einzelnen Jahresprogramme seit 2011 zurück, so fallen folgende Punkte auf:

  • Die Konstanz von einzelnen Themen entlang der Zeitachse wie zum Beispiel die Digitalisierung der Verteilnetze, die Digitalisierung der Geschäftsprozesse oder die Suche nach neuen, gewinnbringenden Geschäftsmodellen
  • Das Verschwinden der kleinen und mittleren EVU hat nicht stattgefunden, vielmehr suchen diese nach eigenständigen Lösungen durch Kooperationen oder Auslagerung von Dienstleistungen. Bisher haben sie sich unter dem gegenwärtigen schweizerischen Marktmodell als sehr ertragsstark gezeigt.
  • Es überrascht die Geschwindigkeit, wie bei wichtigen Themen, z.B. Smart Grid, Prosumer, Smart Home, aus Schlagworten konkrete technische und betriebswirtschaftliche Lösungen entstanden sind.
  • Neue Player, vor allem Startups, versuchen zunehmend in den Energiemarkt vorzustossen.
  • Günstige PV-Panels beeinflussen die EVU auf den verschiedensten Ebenen der Wertschöpfung direkt und indirekt.

Ein Ende dieser Trends ist nicht absehbar, vielmehr scheinen wir bei den EVU am Anfang einer exponentiellen Entwicklung bei der Suche nach Innovationen und deren Umsetzung zu stehen. Diesen Eindruck vermittelten eigentlich alle Referenten.

 

Zunehmend wird in den mittleren und grossen EVU systematisch und methodisch nach Auswegen aus der Margenerosion in den traditionellen Geschäftsfeldern gesucht. Langsam scheint sich dabei in der Energiewirtschaft die Erkenntnis durchzusetzen, dass Innovationen nur dort entstehen und sich durchsetzen, wo die Unternehmensführung das entsprechend fruchtbare Umfeld schafft und wo Misserfolge nicht mit Scheitern gleichgesetzt werden. So war eine zentrale Aufforderung an die Unternehmen, bei Innovationen in der Anfangsphase weniger mit Businessplänen, als mit Seed Money zu arbeiten. Der wirtschaftliche Druck bei den Grossunternehmen ist offensichtlich derart stark geworden, dass man gezielt und zum Teil auch brachial mit traditionellen Führungs- und Geschäftsmodellen bricht, um einen Ausweg aus dem bestehenden Deadlock negativer Unternehmensergebnisse zu finden. Nicht zuletzt sei darauf hingewiesen, dass sich die Schweizer Hochschulen, z.B. über die KTI-Fördertöpfe, als Forschungs- und Entwicklungspartner der EVU anbieten.

Folgende Themen standen am Donnerstag und am Freitag in den Referaten und Diskussionen im Zentrum:

(i) Digitale Umbrüche beim klassischen meter-to-cash-Prozess: Mit dem rasanten Preiszerfall bei den PV-Modulen entstand ein Pull der privaten PV-Stromproduzenten und ein Push der PV-Systemlieferanten in Richtung regulatorisch liberaler Eigenverbrauchslösungen. Mit den steigenden Strompreisen in Deutschland aufgrund des EEG-Umlageverfahrens und der hohen staatlichen Abgaben hat sich hier aus Sicht privater Investoren ein sich selbst verstärkender Regelkreis ergeben, welcher jetzt nun auf die umliegenden Länder „überschwappt“. Eigenverbrauchslösungen und Eigenverbrauchsgemeinschaften bedürfen neben klaren vertraglichen und regulatorischen Regelungen günstiger meter-to-cash-Prozesse. Bei Geschwindigkeit, Flexibilität und Kosten stossen die klassischen, eher teuren und schwerfälligen Software-Systeme an ihre Grenzen und es eröffnet sich ein Markt für neue Anbieter. Stichworte sind Blockchain und Cloud basierte Systeme. Erste Beispiele weisen darauf hin, dass EVU für die Abrechnung von Eigenverbrauchsgemeinschaften auf externe Anbieter zurückgreifen werden, da sie mit ihren Inhouse-Lösungen nicht wettbewerbsfähig sind. Die nächsten Jahre dürften in diesem Bereich noch einige Überraschungen bringen.

(ii) Digitalisierung des Stromhandels: Der Systembruch bei der Stromerzeugung, also die Integration einer Vielzahl von Prosumers mit ihren privaten PV-Anlagen und dezentralen Speichern in das Netz (in Deutschland wurden bisher 60'000 dezentrale Batteriespeicher installiert) sowie die daraus folgende stärkere und vermehrte Fluktuation der Strompreise stellen die Stromhandelshäuser vor ganz neue Herausforderungen: Die Margen im Stromhandel und in der Bereitstellung von Regelenergie sinken kontinuierlich; gleichzeitig zieht die zunehmende kurzfristig starke Preisfluktuation einen verstärkten Ressourcenbedarf im Handel nach sich. Dieser Teufelskreis kann zumindest auf der Ressourcenseite durch eine zunehmende Automatisierung des Stromhandels gelöst werden (was wieder eine Margenerosion zur Folge haben dürfte). Ausserhalb des Beschaffungshandels haben kleine Handelshäuser hier zukünftig kaum noch eine Chance.

(iii) ICT-Security: Warum ICT-Security zum Hochrisikofaktor für die EVU-Branche geworden ist, muss hier nicht begründet werden. Der Bund und die Branche haben frühzeitig reagiert: Mit MELANI steht den EVU eine kompetente Anlaufstelle zur Verfügung.

(iv) Eigenverbrauchslösungen für PV-Produzenten: Bereits heute sind in der Schweiz Eigenverbrauchslösungen von unabhängigen Produzenten möglich und zunehmend ohne Subventionen wirtschaftlich. Im Rahmen der Energiestrategie 2050 sollen die regulatorischen Rahmenbedingungen klarer umrissen und weiter liberalisiert werden. Ob es bei der heutigen Lösung bleibt oder ob sich die „offene Lösung“ durchsetzen wird, muss im Augenblick offen bleiben. Weil PV-Systemlösungen zukünftig nicht mehr auf Subventionen angewiesen sein werden, muss ein fundamentaler Umbruch im Markt erwartet werden. Für EVU stellt dieser Markt eine Chance dar; sie stehen jedoch mit kleinen, agilen Wettbewerbern in Konkurrenz. Interessant sind die Entwicklungen in Deutschland. Hier gibt es z.B. bereits Angebote von externen virtuellen Speichern und Flatrate-Modellen für PV-Panels, dezentraler Batterien und Reststromlieferung. Marktpotenzial, Geschwindigkeit bei der Markterschliessung, Vertragssicherheit, Prozesskosten und Qualität sind die Erfolgsfaktoren.

(v) Netz- und Verbrauchssteuerung: Die verschiedensten Ansätze zur Entwicklung von technischen Lösungen zur Netz- und Verbrauchssteuerungen, welche wir in den vergangenen Jahren in der Schweiz im Rahmen des Innovationsforums immer wieder präsentiert bekamen, werden flügge. Man darf schlussfolgern, dass die Systeme offensichtlich funktionieren. Hinter vorgehaltener Hand erfährt man jedoch, dass der Schweizer Markt für die Entwickler deutlich zu klein ist, um den Breakeven zu erreichen. Da neben Alpiq kein weiteres schweizerisches EVU gesamteuropäisch vertrieblich vertreten ist, muss die Frage erlaubt sein, ob sich die Schweiz als Entwicklungszentrum ohne starken EVU-Vertriebsarm für solche Lösungen eignet.

Fazit: Der Nebel, in welchem man in den vergangenen Jahren meinte betreffend der Zukunft der Energiebranche zu stochern, lüftet sich zunehmend. Erste Erfolge bei neuen Geschäftsmodellen zeichnen sich ab. Viel wichtiger erscheint jedoch die Tatsache, dass sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass es keinen Weg zurück mehr gibt. Die EVU sind zu „normalen“ Unternehmen geworden, die sich in einem Umfeld mit hoher Wettbewerbsintensität, regulatorischer Unsicherheit und raschem Wandel behaupten müssen. Langfristig werden diejenigen Schweizer Energieversorger auf dem Weg in die Energiezukunft überleben, welche sich für die Zukunft fit machen, eine klare Zielorientierung haben und mutig ihre Ziele verfolgen.

Am 15. und 16. März 2018 wird der Anlass zum achten Mal stattfinden. Die Agenda für das Innovationsforum Energie 2018 wird Ende Herbst 2017 veröffentlicht.

 

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