Rückblick 2026

15. Innovationsforum Energie
20. und 21. August 2026 | Zürich, Schweiz

GEWINNERIN

Ein Gratisticket für das Innovationsforum Energie 2027 hat gewonnen:

Ludmila Mettler
St.Galler Stadtwerke

Herzlichen Glückwunsch!

Innovationsforum Energie 2026 - Innovationen, Strategien, Lösungen und Kulturwandel für den Weg in die Energiezukunft

Das diesjährige und inzwischen 15. Innovationsforum Energie widmete sich den Themen Systemtransformation, Geschäftsmodelle, Energieeffizienz, Sektorkopplung sowie neuen Technologien für die Energiewelt von morgen. In zahlreichen Vorträgen und Diskussionen wurde deutlich, dass die technologischen Grundlagen des Energieandels zunehmend vorhanden sind und der Fokus stärker auf Integration, Skalierung und Umsetzung liegt.

Den Auftakt machte die Session zur Marktkopplung und Versorgungssicherheit, welche die zukünftige Ausgestaltung des Schweizer Stromsystems und dessen Einbindung in den europäischen Markt beleuchtete. Urs Meister, Geschäftsführer der ElCom, ordnete die Schweiz als technisch eng mit Europa verbundenes Stromsystem ein, das wirtschaftlich und regulatorisch jedoch weiterhin nur teilweise integriert sei. Die Bedeutung gesicherter Grenzkapazitäten, liquider Märkte und eines Stromabkommens für Versorgungssicherheit und Kosteneffizienz wurde dabei hervorgehoben.

Lara Lück, Senior Energy Economist der Axpo, zeigte anhand verschiedener Entwicklungspfade für die Schweizer Stromversorgung auf, welche Herausforderungen sich durch steigenden Winterstrombedarf und den langfristigen Rückgang der Kernenergieproduktion ergeben. Wasserkraft bleibe das Fundament der Stromversorgung, müsse jedoch durch zusätzliche Winterproduktion, Speicher und gesicherte Leistung ergänzt werden.

Die Bedeutung eines stabilen Marktdesigns für das Stromsystem erläuterte Marc Rüede, Leiter Balance Group & Scheduling Services der Swissgrid. Mit der Balancing Roadmap 2026-2030 sollen Prognosen verbessert, Flexibilitäten besser genutzt und der Bedarf an Regelenergie reduziert werden.

 

In der anschliessenden Diskussion, moderiert von Renato Marioni, Director EY-Parthenon, diskutierten die Referierenden gemeinsam mit Carsten Wendt, Head of Strategic Sales DACH von SMA Solar Technology, Fragen zur zukünftigen Versorgungssicherheit, zur Rolle von Importen und Batteriespeichern sowie zu markt- und netzdienlicher Flexibilität. Einigkeit bestand darin, dass Marktintegration und nationale Versorgungssicherheit keine Gegensätze sind, sondern komplementär zusammengedacht werden müssen.

 

Anschliessend stand die Frage im Zentrum, wie sich Energieversorger vom klassischen Versorger zum Plattformunternehmen weiterentwickeln können. Anne Bicking, CEO gridX, zeigte anhand konkreter Anwendungsfälle, wie Elektrofahrzeuge, Batteriespeicher und Photovoltaikanlagen zu handelbaren Flexibilitätspools aggregiert werden können. Dabei seien qualitativ hochwertige Daten und eine sichere Konnektivität zentrale Erfolgsfaktoren.

Die Rolle der Kundinnen und Kunden rückte Thomas Eglin, Leiter Digital Business der Primeo Energie, in den Mittelpunkt seines Vortrags. Digitale Lösungen seien heute technisch vielfach möglich; der eigentliche Erfolgsfaktor liege jedoch in einem klaren Kundennutzen und einer einfachen Anwendung. Vertrauen und Kundennähe würden damit zu wichtigen Wettbewerbsvorteilen für Energieversorgungsunternehmen.

Praxisnahe Einblicke in den Aufbau einer unternehmensweiten Datenplattform gaben Sven Klingspor, Principal Client Manager der Zühlke Group, und Patrick Ploesser, Leiter Data & AI Development der EKZ. Sie zeigten auf, wie Daten schrittweise in skalierbare Anwendungen und neue Dienstleistungen überführt werden können.

 

Simone Koch, Teamleiterin Renera, stellte verschiedene Umsetzungsmodelle der neuen gesetzlichen Effizienzvorgaben für Elektrizitätslieferanten vor und zeigte die praktischen Herausforderungen bei der Einführung entsprechender Programme auf. Dabei wurde deutlich, dass insbesondere die digitale Dokumentation und ein professionelles Projektmanagement entscheidend sind.

Céline Zosso, Leiterin Regulierungsstrategie SIG, präsentierte die Entwicklung eines umfassenden Effizienzökosystems und zeigte auf, wie Kooperationen zwischen Energieversorgern künftig weiter gestärkt werden können.

 

Die Diskussionsrunde zur Energiezukunft Schweiz wurde im Anschluss von Heinz-Werner Hölscher, Partner BET Consulting, moderiert. Zusammen mit Georg Meier, Head of Trade & Innovation der Renera, diskutierten Anne Bicking, Thomas Eglin, Sven Klingspor wie die Vorgaben zur Energieeffizienz zu einem eigenständigen Geschäfts- und Dienstleistungsfeld entwickelt werden können, wenn klare Prozesse, digitale Werkzeuge und Kooperationen genutzt werden.

 

Die letzte Session des ersten Tages widmete sich der Wärmetransformation und der Frage, wie der Übergang vom klassischen Gasnetz zu integrierten Energiesystemen gelingen kann. Dabei wurde deutlich, dass die Dekarbonisierung des Gebäudeparks weit über den Austausch einzelner Energieträger hinausgeht und ein koordiniertes Zusammenspiel von Wärme, Kälte, Strom, Mobilität, erneuerbaren Gasen und lokaler Infrastruktur erfordert.

Romeo Deplazes, CEO Energie 360°, zeigte auf, wie sich das Unternehmen vom traditionellen Gasversorger zu einer Anbieterin integrierter Energie- und Mobilitätslösungen entwickelt. Anhand von Energieverbünden, Abwärmenutzung, erneuerbaren Gasen, Photovoltaikanlagen und Ladeinfrastrukturen veranschaulichte er die zunehmende Verschmelzung verschiedener Energiesysteme.

Einen Einblick in die praktische Umsetzung einer kommunalen Wärmestrategie gab Evelyn Rubli-Stoll, Leiterin Geschäftsbereich Wärme der IWB. Sie erläuterte die Basler Wärmetransformation mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2037. Im Zentrum stehen dabei der weitere Ausbau und die Dekarbonisierung des Fernwärmenetzes sowie die schrittweise Stilllegung des Gasnetzes für Raumwärme. Besonders hervorgehoben wurden die Herausforderungen bei der Koordination von Infrastrukturprojekten, der Kundenkommunikation sowie der langfristigen Planungssicherheit.

 

In der anschliessenden Podiumsdiskussion diskutierten Daniela Decurtins, Direktorin VSG, Romeo Deplazes und Evelyn Rubli-Stoll unter der Moderation von Jens Bartenschlager, Gründer und CEO Fidectus, die zukünftige Rolle der Gasinfrastruktur im Energiesystem. Im Mittelpunkt standen Fragen nach der Bedeutung erneuerbarer Gase für Industrie und Versorgungssicherheit, den wirtschaftlichen Auswirkungen schrumpfender Netze sowie den regulatorischen Rahmenbedingungen einer geordneten Transformation. Die Diskussion zeigte, dass es für die Wärmewende keine universelle Lösung gibt. Lokale Voraussetzungen wie Siedlungsstruktur, vorhandene Infrastrukturen, verfügbare Energiequellen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen bestimmen den jeweils geeigneten Technologie- und Infrastrukturmix.

 

Am zweiten Tag rückte mit der Session zu Daten und digitaler Infrastruktur die Frage in den Fokus, wie Prognosen, Datenplattformen und künstliche Intelligenz zur Steuerung eines zunehmend dezentralen Energiesystems beitragen können.

 

Julie Villinger, Head of Meteorology von Meteomatics, zeigte auf, wie hochaufgelöste Wetterdaten zur operativen Grundlage für Energieunternehmen werden. Präzisere Wetterprognosen ermöglichen eine verbesserte Planung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien und tragen damit zur Stabilisierung des Gesamtsystems bei.

Die Bedeutung einer gemeinsamen Datenbasis für die Energiewirtschaft erläuterte Thomas Koller, CEO und Gründer der enersis suisse. Statt einer Vielzahl neuer Einzelsysteme brauche es vernetzte Datenmodelle, welche Netz-, Gebäude-, Asset- und Marktdaten zusammenführen und damit neue Möglichkeiten für Planung und Betriebsführung eröffnen.

Marina González Vayá, Head New Technology der EKZ, veranschaulichte anhand konkreter Anwendungen aus Netzmonitoring und Beschaffung, wie künstliche Intelligenz zunehmend Einzug in die operative Praxis hält. Entscheidend für den Erfolg seien jedoch nicht allein die technologischen Möglichkeiten, sondern vor allem Vertrauen in die Systeme, klare Verantwortlichkeiten und die Verankerung der Anwendungen in den Geschäftsprozessen.

 

In der darauffolgenden Diskussionsrunde diskutierten Julie Villinger, Thomas Koller, Marina González Vayá sowie Matthias Galus, Chief Digital Officer BFE, unter der Moderation von Dr. Jens Bartenschlager, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Digitalisierung der Energiewirtschaft. Thematisiert wurden unter anderem Datenverfügbarkeit, Standards, Kompetenzen, Geschäftsmodelle sowie die Rolle der geplanten nationalen Datenplattform. Die zentrale Erkenntnis dieser Session war, dass digitale Technologien allein noch keinen Mehrwert schaffen. Erst das Zusammenspiel von Datenqualität, Schnittstellen, Fachwissen, Prozessen und organisatorischer Verankerung ermöglicht es, aus Daten konkrete Entscheidungen und operative Verbesserungen abzuleiten.

 

In der Session zur praktischen Umsetzung der Energie im Gebäudebereich zeigte Leo Sasso-Clopath, CEO und Gründer von geoimpact, auf, wie Geodaten und Gebäudedaten genutzt werden können, um Potenziale für Eigenverbrauchsgemeinschaften, Ladeinfrastrukturen oder Wärmeverbünde systematisch zu identifizieren.

Für die Perspektive der Wohnungswirtschaft standen Sarah Roes, Partnerin Handel & Vertrieb, sowie Johannes Hüllenkremer, Leiter Kompetenzteam Strategie & Kooperationen, beide von BET Consulting, ein. Sie zeigten auf, wie Gebäude vom reinen Verbrauchsort zu aktiven Bestandteilen des Energiesystems werden.

Wie sich mit lokalen Energiemodellen skalierbare Produkte entwickeln lassen, erläuterte Liliane Ableitner, Co-Founder & CEO von Exnaton. Für die erfolgreiche Umsetzung von ZEV-, vZEV- und LEG-Modellen seien automatisierte Prozesse von der Messdatenverarbeitung bis zur Abrechnung unverzichtbar.

 

Zum Abschluss des Innovationsforums standen Forschung, Startups und neue Technologien im Mittelpunkt. Christian Schaffner, Executive Director ESC ETH Zürich, stellte mit dem Energy Launchpad eine Initiative vor, die wissenschaftliche Innovationen schneller in marktfähige Unternehmen und Anwendungen überführen soll.

 

Über den aktuellen Entwicklungsstand und die Perspektiven von Quantum Computing sprach Frederik Flöther, Chief Quantum Officer von QuantumBasel. Unternehmen seien gut beraten, sich bereits heute mit den Möglichkeiten dieser Technologie auseinanderzusetzen.

Marco Muttoni, Co-Founder & Co-CEO von Elenir, zeigte, wie KI-Agenten Daten, physikalische Modelle und betriebliches Wissen für Überwachung, Analyse und Dokumentation von Fernwärmenetzen verbinden.

Christian Dollfus, Founder & CEO von CEEX, erläuterte, wie Ensemble-Technik, tägliches Retraining sowie Wetter- und Kalenderdaten die Prognosequalität verbessern, während Transparenz und menschliche Freigabe zentral bleiben.

Wie vorhandene Flexibilitäten in Gebäuden und dezentralen Anlagen künftig zu virtuellen Kraftwerken gebündelt werden können, veranschaulichte Alban Maury, Country Lead Schweiz von Tilt Energy.

Den Bogen von der Netzplanung bis zur Flexibilitätssteuerung schlug anschliessend Marco Thoma, Geschäftsbereichsleiter Smart Grid Operation Platform von VIVAVIS Schweiz.

 

Das 15. Innovationsforum Energie zeigte, dass die Energiewende zunehmend weniger durch den Mangel an Technologien begrenzt wird. Die entscheidenden Herausforderungen liegen vielmehr in der Integration bestehender Lösungen, der Digitalisierung von Prozessen, der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle sowie der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Marktakteuren. Innovation entsteht dabei nicht allein durch neue Technologien, sondern insbesondere durch deren konsequente Anwendung und Skalierung im Energiesystem der Zukunft.

 

Impressionen 2026

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